Di.. Jan. 27th, 2026

Es passierte am 11. September 2015.

So lange ist es schon her, dass sich unser Murphy auf den Weg ins Regenbogenland gemacht hat, und immer noch schmerzt der Gedanke daran so sehr, dass es mir schwer fällt, diese Zeilen über ihn zu schreiben. Er war unser erster Hund, unsere erste große Hundeliebe. Wir haben so viel falsch gemacht, und er hat so viel verziehen. Ich wünschte, ich könnte die Zeit zurückdrehen und ihm mit dem Wissen und der Erfahrung, die ich heute habe, noch einmal das Leben ermöglichen, was er verdient hätte.

Murphy wurde am 27. Dezember 2006 geboren. Wo, das wissen wir nicht. Wir haben ihn im Sommer 2008 aus dem örtlichen Tierheim adoptiert. Seinem Einzug bei uns haben wir eine eigene Geschichte gewidmet.

Er hatte es als Welpe und Junghund, wie wir später von Bekannten, die ihn bei uns wiedererkannten und die seine erste Familie kannten, erfahren haben, sehr, sehr schwer. Angeschafft als Statussymbol eines Mannes, der den ganzen Tag auf der Arbeit war und ihn bei seiner mit Hund und zwei kleinen Kindern überforderten Frau ließ, wurde er morgens – so haben wir es gehört – an den Ohren in den Keller gezogen, wo er ausharren musste, bis Herrchen von der Arbeit kam. Spaziergänge kannte er nicht, er durfte sich ausschließlich im Garten erleichtern. Er wurde weder erzogen noch gefordert oder gefördert, was ihn sein ganzes Leben lang prägte. Er kannte kein ausgelassenes Spiel, keine Wurfspiele, keine Zerrspiele, er hat, wenn er allein war, weder gegessen noch getrunken, weil er dachte, er darf es tagsüber nicht. Schließlich trennte sich die Familie und zog aus der Wohnung aus. Ohne ihn. Er blieb im Keller, wo er zum Glück gefunden wurde.

Murphy war äußerst leinenaggressiv und hatte ein ausgeprägtes Revierverhalten. Das aggressive Bellen eines so großen Hundes am Zaun störte viele Leute. Man schimpfte mit ihm, schrie ihn an. Und wenn er mal einen Hund traf, den er mochte und der ihn interessierte, durfte er meistens nicht mit ihm spielen. Er war ein oft missverstandener Hund. Wer sich allerdings die Mühe gemacht hat, ihm mit Geduld und Zuneigung zu begegnen, hatte einen Freund fürs Leben gefunden. Er war sehr lieb und geduldig, ein echter Kumpel, der Menschen trotz aller schlechten Erfahrungen liebte und sich sehr über jede Art von Zuneigung freute.

Und er war tapfer. Unsagbar tapfer. Unser Kleiner hatte viele gesundheitliche Probleme. Neben den üblichen Krankheiten, die jeden Hund mal im Laufe seines Lebens mal treffen können, hatte er zum Beispiel einen Unfall, bei dem er sich die Zähne aus dem Unterkiefer gerissen hatte. Zum Glück konnten sie replantiert werden und er lebte ohne Einschränkungen weiter. Aber im Oktober 2014 begann das Ende.

Die erste Magendrehung mit Not-OP im Urlaub auf Rügen, die Komplikationen nach der OP, die nahtlos in das erste Lungenödem aufgrund deiner undichten Herzklappe übergingen. Durch die Medikamente ging es ihm kurzzeitig besser und er blühte mit der zurückgewonnen Luft auf, doch dann kam die schwere Ohrenentzündung, die ihm höllische Schmerzen bereitet hat, kam die zweite Magendrehung, kam das zweite Lungenödem, kamen die Herzrhythmusstörungen. Er war nicht mehr derselbe, wenn auch unverändert liebevoll in seinem Umgang mit uns.

Seine Augen verrieten mir zunehmend, dass wir uns bald verabschieden müssen. Seine Blicke wurden intensiver, als ob er jeden Blickkontakt in sich aufnehmen würde und von mir möchte, dass ich das auch tue. Dann kamen immer mehr dieser Momente, die mir das Herz brachen: der Moment, an dem er es zum ersten Mal nicht mehr geschafft hatte, zu uns ins Bett zu steigen, um zwischen uns einzuschlafen. In dem er es unfreiwillig vorgezogen hatte, alleine am Fußende auf dem Boden liegen zu bleiben. Der Moment, als er verzweifelt immer und immer wieder versucht hatte, die fünf Stufen zu uns ins Schlafzimmer zu steigen. Er fing an zu weinen. Ich dachte, ich muss sterben – wegen Murphys Blick, aber auch wegen des schmerzvollen Blickes meines damaligen Mannes, der wortlos aufstand und ihn trug.

Jeder dieser Momente war ein Stückchen Abschied. Und dieser monatelange Abschied ist das, was in meinem Kopf immer noch so präsent ist, dass ich auch jetzt, nach so vielen Jahren noch weinen muss, wenn ich diese Zeilen schreibe.

Er starb am 11. September 2015 an den Folgen seiner dritten Magendrehung. Ich hoffe, er weiß, wie sehr er bis heute geliebt wird.

Erinnerungen an Murphy (mp4):

Von Christina